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Integration: Aufeinander zugehen für ein gemeinsames Offenbach

Offenbach ist die Stadt in Deutschland mit dem höchsten Migrantenanteil, aber auch mit dem entspanntesten Umgang mit kultureller Vielfalt. 63 Prozent von uns Offenbachern haben einen sogenannten Migrationshintergrund. Im Bund sind es dagegen 21 Prozent und in Hessen 28 Prozent. Die Leute kommen aus 159 verschiedenen Nationen. Die allermeisten Offenbacher sind sich einig, dass wir damit schon ganz gut umgehen können. Unsere kulturelle Vielfalt mit ihren Einwohnern und Einwohnerinnen aus so vielen Nationen, Kulturen und Religionen ist eine Herausforderung, der wir uns stellen.

Wir PIRATEN haben uns von Anfang an als internationale Partei gegründet, die Grenzen überwinden und die Gemeinsamkeit aller fördern will. Es gibt bei uns in Offenbach keine größeren Gewaltausbrüche, die überwältigende Mehrheit der Offenbacher fühlt sich zugehörig. Wir haben alle gleiche Rechte und Pflichten, unabhängig von Kultur, Religion und Herkunft! Wir sind für ein kommunales Wahlrecht für alle, und weil es das noch nicht gibt, nehmen wir wenigstens sowohl an der Kommunal- als auch an der Ausländerbeiratswahl teil. Wir wollen die Bedeutung des Ausländerbeirats stärken und werden unsere gewählten ALB-Vertreterinnen und -Vertreter unterstützen.

Integration ist daher für uns ein wichtiges Zukunftsthema für unsere Stadt, mit dem wir uns befassen wollen, wenn wir gewählt werden.

Gemeinsamkeit mit Respekt und Toleranz

Aber was ist Integration? Es ist schon mal der Respekt vor anderen Kulturen und ihre freundliche Toleranz, aber es ist noch viel mehr als das! Integration muss von allen gelebt werden, von Zuwanderern und von der Mehrheitsgesellschaft, egal wo die Leute ursprünglich herkommen. Wir wollen auch individuelle Freundschaften schließen. Wir leben und arbeiten zusammen, unsere Kinder gehen zusammen in die Schule und werden später auch miteinander zu tun haben. Integration heißt, sich anzufreunden, über kulturelle Grenzen hinweg. In Offenbach passiert das auch schon und das ist das Tolle an unserer Stadt. Wir sollten uns zuallererst als Offenbacher fühlen.

Integration ist jedoch noch mehr! Es ist eine gemeinsame Identität als Offenbacher, und es ist die gemeinsame Sprache und gemeinsame Werte, die wir zusammen leben. Einige dieser Werte sind nicht verhandelbar, dazu gehört auch die Gleichberechtigung aller Frauen und Männer. Es gibt patriarchalische Familien, in denen die Frauen ihre Rechte nicht kennen und nicht wahrnehmen können und in denen sie auch davon abgehalten werden. 

Schritte zum gemeinsamen Verständnis wagen

Als Beispiel möchte ich eine kleine Geschichte erzählen: Vor einigen Jahren gab es noch keine Vorschule für Kinder, die kein Deutsch konnten. Damals saßen in einer 1. Klasse einer Offenbacher Grundschule zwei kleine Jungs nebeneinander und konnten sich gut leiden, beide waren in Offenbach geboren. Der eine, Paul, sprach gut Deutsch, der andere, Ahmed, leider überhaupt nicht, denn er hatte keinen Kindergarten besucht.

Auch Ahmeds Mutter konnte kein Deutsch, obwohl sie schon 7 Jahre in Offenbach lebte. Pauls Mutter versuchte, mit Ahmeds Mutter zu telefonieren, aber leider funktionierte das nicht. Sie wurde immer auf den Abend vertröstet, wenn der Opa zu Hause war, der sehr gut Deutsch konnte und der schon vor Jahrzehnten nach Offenbach gekommen war. Nur dieser Opa telefonierte für die Schwiegertochter. Er hatte seinen Söhnen Bräute aus der Türkei ausgesucht und nach Offenbach geholt, und er hatte verhindert, dass sie Deutsch- und Integrationskurse besuchten oder dass die Enkel in den Kindergarten gingen. Paul wollte den Ahmed gerne zu seinem Geburtstag und zu anderen Kindertreffen einladen. Aber das hat nie geklappt. Immer rief vorher der Opa an und sagte ab, mit irgendwelchen Ausreden. Heute wäre Ahmed erst mal in die Vorschule gekommen. Noch besser wäre es besser gewesen, er wäre mit drei Jahren in den Kindergarten gekommen und seine Mutter hätte Deutsch gelernt.

Integration funktioniert nur, wenn alle aufeinander zugehen und sich um gemeinsame Werte bemühen. Dazu gehört es, Deutsch zu lernen, aber auch die Wertschätzung für gemeinsame Werte. Ein solcher Wert ist die Gleichberechtigung aller Menschen. Einwanderinnen haben Rechte, sie müssen z. B. Sprachkurse besuchen können, Angebote zu Aus- und Fortbildungen wahrnehmen und selbst über ihr Leben bestimmen können. Es kann nicht sein, dass sie von Kontakten zu Mitbürgern aus anderen Kulturen abgehalten werden. Für uns Offenbacher ist es nicht akzeptabel, dass für Kontakte die Erlaubnis eines Familienpatriarchen nötig ist. Auf der anderen Seite sollten die deutschsprachigen Mitbürger und Mitbürgerinnen neugierig sein und Freundschaften suchen, wo immer sie sich ergeben können. 

Integration ist Bestandteil der Kommunalpolitik

Für uns PIRATEN ist weitere Integration ein vorrangiges Ziel in der Offenbacher Kommunalpolitik. Eine der wichtigsten Aufgaben ist der Spracherwerb. Das fängt schon im Kindergarten an. Drei Kindergartenjahre reichen, um ein Kind auf ein gutes Sprachniveau zu bringen, auch wenn es in den ersten drei Lebensjahren nur seine Muttersprache gelernt hat. Der Schulerfolg hängt entscheidend von den Kenntnissen der deutschen Sprache ab. Hier sind alle gefragt: die Migranten, die ihre Kinder in den Kindergarten schicken sollen und alle Offenbacher, die gut Deutsch sprechen und sich um Freundschaft und Integration kümmern und ihre Mitbürger beim Erlernen der deutschen Sprache unterstützen.

Wir PIRATEN wollen deshalb das Interesse an Sprach- und Integrationskursen fördern und Bürger und Bürgerinnen über ihre Rechte aufklären. Angebote, die es schon gibt, werden wir bekannter machen und für ihre Teilnahme werben. Wir treten dafür ein, dass Hemmschwellen gesenkt werden und fordern die Wertschätzung für Bildung von Allen. 

Unsere Spitzenkandidatin für den Ausländerbeirat, Yakeline Cadena-Perez, engagiert sich ehrenamtlich für die Stärkung der Rechte von Migrantinnen und Migranten, insbesondere aus patriarchalischen Gesellschaften. Sie möchte alle inspirieren, mehr Selbstbewusstsein zu entwickeln  – und dies ohne kulturelle oder religiöse Barrieren. In diesem Video erläutert sie ihre Vorstellungen.

Auf dem zweiten Platz unserer Liste für den ALB kandidiert Magda Cichy, Sie unterrichtet seit 20 Jahren Deutsch als Fremdsprache in Offenbach und hält gute Sprachkenntnisse und Integrationskurse für unabdingbar für eine erfolgreiche Integration. Im ALB will sie sich für Bedingungen einsetzen, die allen Migranten und Migrantinnen Zugänge ermöglichen und zur Teilnahme motivieren. In diesem Beitrag beschreibt sie ihre Vorstellungen.

Das Verbundenheitsgefühl aller Offenbacher muss gestärkt werden. Aus diesem Grunde werben wir für Freundschaften über alle Kulturen hinweg. Wir wollen uns auch für eine enge Zusammenarbeit zwischen der Stadtverordnetenversammlung und dem Ausländerbeirat einsetzen, um die politische Teilhabe ausländischer Menschen zu stärken.

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