Offenbach

Schuldigitalisierung: Das Beispiel Käthe-Kollwitz-Schule in Offenbach

Käthe-Kollwitz-Schule

von Valentin Ott und Annette Schaper-Herget

Digitalpakt: noch nicht wirksam genug in der Krise

In Offenbach haben die Schulen kürzlich wieder vorsichtig geöffnet, nach einer langen Phase, in der sie komplett geschlossen waren. Viele Schulen hat es kalt erwischt, denn sie waren auf diese Situation nicht vorbereitet. Einerseits geht es darum, Ansteckungsrisiken zu minimieren, andererseits haben Kinder ein Recht auf Bildung. Schulen und Lehrer*innen bemühen sich um digitalen Ersatz. Schon vor der Krise wurde der “Digitalpakt” der Bundesregierung ins Leben gerufen, der die Digitalisierung an den Schulen fördern soll. Allerdings sind bisher die Angebote des Digitalpaktes oft unzureichend abgerufen worden, nicht zuletzt, weil sie mit hohem bürokratischem Aufwand verbunden sind. Dies rächt sich zur Zeit. Es gibt große Unterschiede zwischen verschiedenen Schulen in ihren Möglichkeiten, digitale Angebote bereitzustellen.

Wir PIRATEN halten digitale Bildung nicht nur wegen der Corona-Krise für wichtig. Unsere Arbeitswelt ist jetzt schon stark durch digitale Kommunikation geprägt, und digitale Kompetenz ist essenziell für die Zukunft unserer Kinder. An vielen Schulen hat auch heute die IT einen schlechten Stand, vor allem bei der Personalausstattung, bei den Finanzen, der zeitlichen Belastung der Lehrerinnen, Lehrer und Betreuer*innen sowie der Software. Die Situation an Offenbachs Schulen ist sehr uneinheitlich.

Ideen aus Offenbach: Käthe-Kollwitz-Schule

In diesem Beitrag schauen wir uns die Bemühungen der Käthe-Kollwitz-Schule in Offenbach an.

Die Käthe-Kollwitz-Schule ist eine Berufsschule, die verschiedene Ausbildungszweige unter ihrem Dach vereint. 100 Lehrkräfte unterrichten rund 1300 Schüler*innen in verschiedenen Schulformen. Vor Kurzem wurde die Schule saniert. Sie hat dies zum Anlass genommen, ihre Digitalisierung voranzutreiben, mit dem ehrgeizigen Plan, danach die beste digitale Infrastruktur aller Offenbacher Schulen zu haben und ist nun die wohl am besten digital ausgestattete Schule in Offenbach.

Für die Beantragung von Fördermitteln aus dem Digitalpakt muss eine Schule zunächst ein Medienbildungskonzept erstellen, das die Basis des Antrags darstellt. Dies erfordert einigen Aufwand, aber eine Gruppe Lehrkräfte der Käthe-Kollwitz-Schule hat ein solches Konzept erstellt, das künftig umgesetzt werden soll.

Valentin Ott, ein Lehrer der KKS, erläutert:

„In vielen Klassenräumen hat die Schule Active/ bzw. Smart-Boards installiert. Die mit Touch-Screen ausgestatteten Multi-Funktionstools kosten jeweils viele Tausende Euro, bieten dafür jedoch viele weitere Möglichkeiten neben der simplen Nutzung als Tafel. Vom spontanen Recherchieren im Internet, dem Abspielen von Videos, dem Nutzen als Plattform für Präsentationen oder Ausgaben von interaktiven Quiz bieten diese Boards sehr viele Möglichkeiten den Schulalltag ansprechend digital zu gestalten.“

„Doch die Geräte allein reichen nicht aus. In den Klassenräumen soll breitflächig WLAN eingeführt werden. Weiterhin verfügt die Schule über eine Steuergruppe, die sich mit der Einführung der digitalen Medien an der Schule befasst. Diese hat im Februar 2020 zu einem pädagogischen Tag eingeladen, der sich dem Thema moderner Medien in der Schule gewidmet ha. Neben einem Einführungsreferat zum Thema wurde der Tag genutzt, um das Kollegium durch Workshops in die verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten digitaler Medien einzuführen und vertraut zu machen. Darüber hinaus wurden auch das Medienbildungskonzept der Schule und Lernziele und angestrebte Kompetenzen der Schüler*innen vorgestellt und diskutiert. Die Workshops hat Lust auf mehr gemacht und Hemmschwellen im Kollegium abgebaut. Es war eine glückliche Fügung, dass dieser Termin gerade noch vor der Corona-Krise stattgefunden hat, denn einige Tipps konnten wir so in der Coronazeit direkt mit den Schülerinnen und Schülern umsetzen.”

“Jede Schulform der KKS Schule von Schneider*innen, über Erzieher*innen bis Körperpflege, soll nun einen Pool von Ideen anlegen, wie der Unterricht von digitalen Medien begleitet werden kann. So ist es gewährleistet, dass die Digitalisierung auch wirklich Einzug in den Unterricht erhält. Regelmäßige Fortbildungen sind außerdem wünschenswert, damit die Digitalisierung eine nachhaltige Entwicklung ist und an der Schule gelebt wird.”

“Während der Schulschließungen haben sich viele Lehrkräfte mit Zoom-Konferenzen, Google-Docs, OneDrive, Moodle, Emails oder Messenger beholfen, um die Schüler*innen durch digitalen Fernunterricht zu betreuen. Trotzdem sind einige Schüler*innen abgetaucht und es ist nicht gelungen, wieder Kontakt herzustellen.”

Konzepte für digitalen Fernunterricht sind notwendig

Längerfristig ist es wichtig, eigene Strukturen und Lernplattformen zu schaffen. Diese müssen niederschwellig zugänglich und kompatibel mit verschiedenen Systemen und Open Source sein. Lehrkräfte und Schüler*innen müssen verschiedene Inhalte, also Dateien, Fotos, Videos, Anmerkungen und vieles mehr hochladen und miteinander teilen können. Die Verantwortung für die technische Ausstattung darf nicht auf die Eltern abgewälzt werden. Gerade in Offenbach mit seiner komplexen Sozialstruktur und vielen bildungsfernen Familien muss dafür gesorgt werden, dass jedem Kind ein Gerät zur Verfügung gestellt werden kann. Kinder müssen jederzeit die Lehrkräfte um Rat fragen können, denn Eltern sind damit manchmal überfordert, und dies würde die Bildungsungerechtigkeit noch verstärken.

Die Digitalisierung der Schulen steht noch ganz am Anfang. Anträgstellung an den Digitalpakt kostet Zeit und Mühe, und für die Entwicklung eines Medienbildungskonzepts sind digitale Vorkenntnisse erforderlich.

Durch die Pandemie hat es einen Motivationsschub für Digitalisierung der Bildung gegeben, der jetzt nicht wieder abebben darf.

Wir PIRATEN haben uns schon seit Langem für die Digitalisierung der Bildung eingesetzt. Wir halten die Bemühungen der Käthe-Kollwitz-Schule für ein motivierendes Beispiel und wünschen uns für die anderen Offenbacher Schulen ähnliche Erfolge. Wir fänden es sinnvoll, wenn sich die Schulen gegenseitig beraten, helfen und auch gemeinsame Konzepte entwickeln würden. Dazu gehört auch gegenseitige Hilfe bei der Antragstellung für finanzielle Mittel. Die Bundesregierung fordern wir auf, den Antragsprozess zu vereinfachen und möglichst unbürokratisch zu gestalten. Auch nach der Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts wird die digitale Bildung ein immer wichtigeres Thema werden.

1 Kommentar zu “Schuldigitalisierung: Das Beispiel Käthe-Kollwitz-Schule in Offenbach

  1. Annette Schaper-Herget

    Die Piratenpartei hat eine Linksammlung zu Hilfsmitteln für digitales Lernen veröffentlicht:

    https://www.piratenpartei.de/digitales-lernen/

    Dort sind sowohl Links für Schüler, als auch für Lehrer und Eltern, damit ihr einfach und unkompliziert im Internet lernen könnt.

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